Artikel mit dem Tag "Bossa Nova"



Eine ungewöhnlich-außergewöhnliche Kraft: Die "Força Estranha" von Gal Costa
Gal Costa war eine zentrale Figur in der avantgardistischen Kunst- und Musikbewegung des Tropicalismo der späten sechziger Jahre. Sie wurde aber darüber hinaus eine zentrale Figur der brasilianischen Musik im Allgemeinen und prägte diese über Jahrzehnte mit. Ihr Mitstreiter Caetano Veloso hat ihr mehrere Lieder komponiert. In "Força Estranha" würdigt er die Authentizität von Gal Costas künstlerischem Schaffen. Und wer hätte den Song besser singen können als sie selbst?

Baden in Baden-Baden
Baden in Baden-Baden klingt wie der Slogan für ein Kurprogramm. Für den brasilianischen Gitarristen und Komponisten Roberto Baden Powell de Aquino, kurz Baden Powell, benannt nach dem Gründer der Pfadfinderbewegung, war der Kurort im Schwarzwald, wo er einige Jahre lebte, wohl tatsächlich eine Station der Erholung. Der Mitbegründer des Bossa Nova aus Rio de Janeiro produzierte sogar Alben im Schwarzwald, auf denen er Samba, afrikanische Einflüsse, Bossa Nova und Klassik einzigartig verschmolz.

Chopin, Tom, Vinícius, Baden Powell, "Insensatez" und "Canto de Ossanha" und der Papst
"Insensatez", welches vom kongenialen Duo Tom Jobim und Vinícius de Moraes geschrieben wurde, gehört zu den Bossa-Nova-Klassikern, die es in die Riege der Jazzstandards geschafft haben. Unzählige internationale Popstars interpretierten das Lied, nicht zuletzt, weil es als "How Insensitive" ins Englische übersetzt wurde; z.B. Frank Sinatra, Iggy Pop, die Black Eyed Peas oder Sting. Das Lied zitiert Chopins Prelude Op. 28, No. 4. Und einige Aufnahmen zitieren Baden Powells Song "Canto de Ossanha".

Hans-Joachim Koellreutter: Der bewegende Beweger der brasilianischen Musik
"Es ist schwieriger zu sagen, wie viele Schüler Hans-Joachim Koellreutter in Brasilien hatte, als zu sagen, wer nicht sein Schüler war." Er war ein musikalischer Grenzgänger, der die brasilianische Musiklandschaft nachhaltig prägte. Er floh aus Nazideutschland und brachte als Vermittler avantgardistischer Ideen z.B. die Zwölftontechnik nach Brasilien und inspirierte zahlreiche Komponisten – darunter auch Tom Jobim. Als Lehrer öffnete er Türen für kreative Freiheit und kulturellen Dialog.

Elis & Rita: Frauenpower bis zum Mars!
Elis Regina war eine der bedeutendsten Sängerinnen Brasiliens und ist eine Ikone der Música Popular Brasileira. Ihre Karriere setzte sowohl stimmlich als auch den Auftritt betreffend Maßstäbe. Ihre charismatische Ausstrahlung, expressiven Gesten und tiefgehenden Performances bleiben bis heute unerreicht. Mit ihrer energiegeladenen Art hob sie sich vom coolen Bossa Nova ab - an den sie sich wagte: Aus dem Duell mit dessen Erfinder Tom Jobim wurde das bekannteste Duett der brasilianischen Musik.

"Aquarela" von Toquinho: Das Leben als Aquarell
Toquinho schrieb 1974 mit Vinícius de Moraes ein Thema für eine Figur der brasilianischen Telenovela "Fogo Sobre Terra" (1974). Diese Figur träumte davon, reich zu werden und in die Großstadt zu ziehen. Neun Jahre später wird dieses Lied mit dem Titel "Uma Rosa Em Minha Mão" zum ersten Teil des Welthits "Aquarela" (1983), mit dem Toquinho zu internationaler Berühmtheit gelangt. Die Geschichte eines Lebens ist wie ein Aquarell, das wir malen, bunt, voller Bewegung - und am Ende verblasst es doch.

"Chega de Saudade": Halb Moll, halb Dur!
Der Song "Chega de Saudade" von 1958 gilt als der erste auf Platte gepresste Bossa Nova überhaupt. Komponiert wurde er von Tom Jobim, der Text stammt von dessen kongenialem Partner Vinícius de Moraes. Auf der ersten Aufnahme, auf der Elizeth Cardoso die Gesangsstimme liefert, spielt der neben Jobim und de Moraes dritte große Mann des Bossa Nova, João Gilberto, in dem unverwechselbaren Stil Gitarre, in dem er das Genre des Bossa Nova für immer definiert.

Dorival und das Meer: Caymmi und zwei seiner "Canções Praieiras"
Im Sommer hören wir gerne Musik über den Strand, die Wellen und das Meer. Da kommt leicht Urlaubsstimmung auf. Dorival Caymmi aus Bahia komponierte in seinen "Canções Praieiras" jedoch keine leichten Beachsounds, sondern er porträtierte das harte Leben der Leute, die mit dem Meer leben (und sterben) - und nicht nur dort Urlaub machen. Ein besonders starker Titel ist das Lied "A jangada voltou só", d.h.: Die Jangada (dieses einfache Fischerboot des Nordostens) kehrte alleine ("só") zurück.

Chico Buarque: Die Konstruktion von "Construção"
Chico Buarque gehört ohne Zweifel zu den besten Liedtextern und Komponisten Brasiliens und ist eine zentrale Figur der brasilianischen Kultur überhaupt. Seine Lieder zu singen ist eine unglaubliche Herausforderung, weil die Melodien und Texte meistens sehr komplexe Konstruktionen sind. Ein besonders gutes Beispiel dafür ist das Lied "Construção", in dem der Arbeitsalltag eines Bauarbeiters geschildert wird, um existentielle Themen zu beleuchten, indem Buarque sie variiert und durchdekliniert.

"Águas de Março" von Tom Jobim
Der erste Kontakt mit Rio de Janeiro ist häufig Tom Jobim. Internationale Gäste landen in Rio auf dem Flughafen, der nach ihm benannt ist. "Garota de Ipanema" ist das international bekannteste Lied der brasilianischen Musik. Wenn man brasilianische Musikerin ist, muss man sich mit dem Großmeister des Bossa Nova auseinandersetzen. Ob man will oder nicht, muss man immer wieder "Garota de Ipanema" singen. Jobim entwickelte die Angst, das Lied noch mit 80 unter Pfiffen in einem Dorfzirkus zu singen.

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