"Jura" gehört zu den Liedern, die man in Brasilien kennt, weil es seit beinahe 100 Jahren einfach immer weiter klingt. Der Samba, der 1928 aus einem Moment verletzter Gefühle geboren wurde und über ein Jahrhundert hinweg immer wieder neu aufblühte, stammt vom Komponisten Sinhô. Zuletzt wurde er als ikonisches Thema der Telenovela "O Cravo e a Rosa" reanimiert mit dem Sambastar Zeca Pagodinho. Ich habe das Lied auch aufgenommen: Ich liebe, dass aus einer Wunde etwas Schönes entstand, das dauert.
Das Konzert, das Tim Maia 1989 im legendären Hotel Nacional in Rio de Janeiro gab, gilt bis heute als einer der Höhepunkte seiner Karriere. Es war das "Konzert seiner Träume": eine große Besetzung mit der Banda Vitória Régia, erweitert um eine Orchesterformation mit über 30 Musikerinnen und Musikern. In dieser opulenten Klangarchitektur ist der Sound das Feuerwerk, das zum heutigen Sylvester-Tag bestens passt! Bam, boom, bang! Einen guten Rutsch mit dem Godfather des brasilianischen Soul!
Dona Ivone Lara, die "Grande Dama do Samba", verkörpert die Verbindung von Kunst und Psychiatrie. Als erste Frau komponierte sie ein Samba-Enredo. Die gelernte und studierte Krankenschwester und Sozialarbeiterin wirkte parallel zu ihrer Musiklaufbahn lange Zeit im psychiatrischen Bereich, wo sie Musik und Kunst in der Therapie einsetzte. Dabei gehörte sie zu denjenigen, die mit der Leitfigur Nise da Silveira, eine Schülerin von C.G. Jung, die Psychiatrie in Brasilien menschlicher machten.
Baden in Baden-Baden klingt wie der Slogan für ein Kurprogramm. Für den brasilianischen Gitarristen und Komponisten Roberto Baden Powell de Aquino, kurz Baden Powell, benannt nach dem Gründer der Pfadfinderbewegung, war der Kurort im Schwarzwald, wo er einige Jahre lebte, wohl tatsächlich eine Station der Erholung. Der Mitbegründer des Bossa Nova aus Rio de Janeiro produzierte sogar Alben im Schwarzwald, auf denen er Samba, afrikanische Einflüsse, Bossa Nova und Klassik einzigartig verschmolz.
"Insensatez", welches vom kongenialen Duo Tom Jobim und Vinícius de Moraes geschrieben wurde, gehört zu den Bossa-Nova-Klassikern, die es in die Riege der Jazzstandards geschafft haben. Unzählige internationale Popstars interpretierten das Lied, nicht zuletzt, weil es als "How Insensitive" ins Englische übersetzt wurde; z.B. Frank Sinatra, Iggy Pop, die Black Eyed Peas oder Sting. Das Lied zitiert Chopins Prelude Op. 28, No. 4. Und einige Aufnahmen zitieren Baden Powells Song "Canto de Ossanha".
Gerade bereite ich einen Vortrag über kollektive Intentionalität vor, den ich an der PUC in São Paulo halten darf. Dabei kam mir das Thema Fußball öfter in den Kopf, weil sich an einem Teamsport kollektive Absichten illustrieren lassen. In Gilberto Gils "Meio Campo" geht es auch um Fußball. Das Lied ist ein Brief an Afonsinho, einen Spieler, der zum Symbol für Widerstand, Individualität und Freiheit im brasilianischen Sport wurde, und der Mediziner, Intellektueller und politischer Aktivist ist.
Nelson Cavaquinho (1911–1986) war ein brasilianischer Sänger, Gitarrist und Komponist, der als Meister des melancholischen Samba gilt. Als Mitglied der Sambaschule Mangueira prägte er den Samba de Morro aus den Hügeln Rio de Janeiros, wo die Favelas liegen. Im Umfeld von Größen wie Cartola oder Paulinho da Viola prägte er den Sound des Samba für immer. Seine Lieder sind musikalisch minimalistisch im Vergleich zu den maximalen Themen wie Tod, Vergänglichkeit und Hoffnung auf das Jüngste Gericht.
Elza Soares wurde mit 12 Jahren verheiratet, mit 13 zum ersten Mal Mutter, mit 15 verlor sie ihr zweites Kind wegen Unterernährung, mit 21 war sie Witwe, mit 23 ging sie in die Radiosendung des Sambakomponisten Ary Barroso, um entdeckt zu werden. Da sie kein Geld und kein Kleid hatte, lieh sie sich das schönste ihrer Mutter - das war ihr allerdings viel zu groß. Das Publikum lachte und Barroso fragte sie, von welchem Planenten sie komme. Sie antwortete: "Vom selben wie Sie. Vom Planeten Hunger."
Über Benito di Paula wollte ich schon lange einen Blogeintrag schreiben. Der Sänger, der aus Rio de Janeiro nach São Paulo gegangen ist, um dort in den siebziger und achtziger Jahren zum Protagonisten des "Samba Paulista" zu werden, gehört mit 50 Millionen verkauften Platten zu den erfolgreichsten Musikern Brasiliens. Seine frische, mutige Interpretation des Samba mit Piano, Jazz-Elementen und romantischer Seele ergibt eine Mischung, die später unter dem Begriff "Samba-Joia" bekannt wurde.
Der Song "Chega de Saudade" von 1958 gilt als der erste auf Platte gepresste Bossa Nova überhaupt. Komponiert wurde er von Tom Jobim, der Text stammt von dessen kongenialem Partner Vinícius de Moraes. Auf der ersten Aufnahme, auf der Elizeth Cardoso die Gesangsstimme liefert, spielt der neben Jobim und de Moraes dritte große Mann des Bossa Nova, João Gilberto, in dem unverwechselbaren Stil Gitarre, in dem er das Genre des Bossa Nova für immer definiert.