Artikel mit dem Tag "Samba"



Eine ungewöhnlich-außergewöhnliche Kraft: Die "Força Estranha" von Gal Costa
Gal Costa war eine zentrale Figur in der avantgardistischen Kunst- und Musikbewegung des Tropicalismo der späten sechziger Jahre. Sie wurde aber darüber hinaus eine zentrale Figur der brasilianischen Musik im Allgemeinen und prägte diese über Jahrzehnte mit. Ihr Mitstreiter Caetano Veloso hat ihr mehrere Lieder komponiert. In "Força Estranha" würdigt er die Authentizität von Gal Costas künstlerischem Schaffen. Und wer hätte den Song besser singen können als sie selbst?

Jura: Ein Samba aus Eifersucht unsterblich durch eine Telenovela
"Jura" gehört zu den Liedern, die man in Brasilien kennt, weil es seit beinahe 100 Jahren einfach immer weiter klingt. Der Samba, der 1928 aus einem Moment verletzter Gefühle geboren wurde und über ein Jahrhundert hinweg immer wieder neu aufblühte, stammt vom Komponisten Sinhô. Zuletzt wurde er als ikonisches Thema der Telenovela "O Cravo e a Rosa" reanimiert mit dem Sambastar Zeca Pagodinho. Ich habe das Lied auch aufgenommen: Ich liebe, dass aus einer Wunde etwas Schönes entstand, das dauert.

Dona Ivone Lara: Musik ist Kunst und Medizin
Dona Ivone Lara, die "Grande Dama do Samba", verkörpert die Verbindung von Kunst und Psychiatrie. Als erste Frau komponierte sie ein Samba-Enredo. Die gelernte und studierte Krankenschwester und Sozialarbeiterin wirkte parallel zu ihrer Musiklaufbahn lange Zeit im psychiatrischen Bereich, wo sie Musik und Kunst in der Therapie einsetzte. Dabei gehörte sie zu denjenigen, die mit der Leitfigur Nise da Silveira, eine Schülerin von C.G. Jung, die Psychiatrie in Brasilien menschlicher machten.

Baden in Baden-Baden
Baden in Baden-Baden klingt wie der Slogan für ein Kurprogramm. Für den brasilianischen Gitarristen und Komponisten Roberto Baden Powell de Aquino, kurz Baden Powell, benannt nach dem Gründer der Pfadfinderbewegung, war der Kurort im Schwarzwald, wo er einige Jahre lebte, wohl tatsächlich eine Station der Erholung. Der Mitbegründer des Bossa Nova aus Rio de Janeiro produzierte sogar Alben im Schwarzwald, auf denen er Samba, afrikanische Einflüsse, Bossa Nova und Klassik einzigartig verschmolz.

Nelson Cavaquinhos Wetterbericht: Die Sonne wird noch einmal scheinen!
Nelson Cavaquinho (1911–1986) war ein brasilianischer Sänger, Gitarrist und Komponist, der als Meister des melancholischen Samba gilt. Als Mitglied der Sambaschule Mangueira prägte er den Samba de Morro aus den Hügeln Rio de Janeiros, wo die Favelas liegen. Im Umfeld von Größen wie Cartola oder Paulinho da Viola prägte er den Sound des Samba für immer. Seine Lieder sind musikalisch minimalistisch im Vergleich zu den maximalen Themen wie Tod, Vergänglichkeit und Hoffnung auf das Jüngste Gericht.

Angela Ro Ro: "Amor, meu grande amor"
Angela Ro Ro ist eine der markantesten Stimmen und Persönlichkeiten der brasilianischen Musik. Mit ihren Kompositionen, die Blues, Bolero, Samba und Rock mischten, prägte sie das MPB-Genre. Sie brach gesellschaftliche Tabus, war eine der ersten offen lesbischen Künstlerinnen Brasiliens. Liebeskummer, Exzesse und Selbstfindung spiegeln sich in ihren Liedern, die zu den schönsten der MPB zählen. Ich wollte schon länger über Angela Ro Ro schreiben. Nun ist sie leider mit nur 75 Jahren gestorben.

Vom "Planeten Hunger" bis ans Ende der Welt: Elza Soares
Elza Soares wurde mit 12 Jahren verheiratet, mit 13 zum ersten Mal Mutter, mit 15 verlor sie ihr zweites Kind wegen Unterernährung, mit 21 war sie Witwe, mit 23 ging sie in die Radiosendung des Sambakomponisten Ary Barroso, um entdeckt zu werden. Da sie kein Geld und kein Kleid hatte, lieh sie sich das schönste ihrer Mutter - das war ihr allerdings viel zu groß. Das Publikum lachte und Barroso fragte sie, von welchem Planenten sie komme. Sie antwortete: "Vom selben wie Sie. Vom Planeten Hunger."

Benito di Paula: Humor ist, wenn man trotzdem singt
Über Benito di Paula wollte ich schon lange einen Blogeintrag schreiben. Der Sänger, der aus Rio de Janeiro nach São Paulo gegangen ist, um dort in den siebziger und achtziger Jahren zum Protagonisten des "Samba Paulista" zu werden, gehört mit 50 Millionen verkauften Platten zu den erfolgreichsten Musikern Brasiliens. Seine frische, mutige Interpretation des Samba mit Piano, Jazz-Elementen und romantischer Seele ergibt eine Mischung, die später unter dem Begriff "Samba-Joia" bekannt wurde.

Dorival und das Meer: Caymmi und zwei seiner "Canções Praieiras"
Im Sommer hören wir gerne Musik über den Strand, die Wellen und das Meer. Da kommt leicht Urlaubsstimmung auf. Dorival Caymmi aus Bahia komponierte in seinen "Canções Praieiras" jedoch keine leichten Beachsounds, sondern er porträtierte das harte Leben der Leute, die mit dem Meer leben (und sterben) - und nicht nur dort Urlaub machen. Ein besonders starker Titel ist das Lied "A jangada voltou só", d.h.: Die Jangada (dieses einfache Fischerboot des Nordostens) kehrte alleine ("só") zurück.

Chico Buarque: Die Konstruktion von "Construção"
Chico Buarque gehört ohne Zweifel zu den besten Liedtextern und Komponisten Brasiliens und ist eine zentrale Figur der brasilianischen Kultur überhaupt. Seine Lieder zu singen ist eine unglaubliche Herausforderung, weil die Melodien und Texte meistens sehr komplexe Konstruktionen sind. Ein besonders gutes Beispiel dafür ist das Lied "Construção", in dem der Arbeitsalltag eines Bauarbeiters geschildert wird, um existentielle Themen zu beleuchten, indem Buarque sie variiert und durchdekliniert.

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