Wer tut es jetzt nicht? Tankstellen, Baumärkte, Kaufhäuser, Fastfoodketten und die Politik. Pünktlich zur anstehenden WM springen auch wir in unserem Blog über brasilianische Musik auf den Fußballzug auf. Heute geht es um den größten brasilianischen Fußballer aller Zeiten, der eine musikalische Ader hatte. Pelé zeigte sie in Liedern, die er selbst komponierte und auf Schallplatte presste. Es kam sogar zum Doppelpass mit Elis Regina, der energischen und kraftvollen Spielmacherin der MPB.
Zusammen mit Elis Regina, die damals schon eine Ikone der brasilianischen Musik war, nahm Pelé, der Superstar der brasilianischen Seleção, im Jahr 1969 eine kleine Schallplatte auf. Der Titel des Minialbums lautete "Tabelinha", was so viel bedeutet wie "Doppelpass". Auf dem Fußballplatz perfektionierte Pelé den Doppelpass mit Garrincha (dem zeitweisen Ehemann der uns schon aus dem Blog bekannten Sambasängerin Elza Soares). Beide durchbrachen in telepathischer Kommunikation per Doppelpass die gegnerischen Abwehrreihen.
Im Doppelpass mit Elis Regina sang Pelé zwei Lieder ein: Auf Seite A "Vexamão" und auf Seite B "Perdão, Não Tem".
Der fröhlich-witzige Samba "Vexamão" beginnt mit einem (gespielten) einleitenden Gespräch. Elis muss Pelé erst einmal dazu überreden zu singen. Er ziert sich und erst nach einer Weile legt er dann doch los. Dass Pelé dabei etwas heiser wirkt, kann gut daran liegen, dass er einige Stunden zuvor noch auf dem Platz stand und die Qualifikation für die WM 1970 in Mexiko klarmachte, die Brasilien schließlich gewann, wodurch es zum dritten Mal Weltmeister wurde. Der Text ist ziemlich ironisch und durchaus medienkritisch: Pelé singt, dass er zwar alles falsch singt, dass es sogar eine Qual ist - aber dass am Ende witzigerweise Radio und Zeitungen alle zu ihm kommen und ihn loben, wodurch er noch ein bisschen "la-la-la" weitersingt.
Während Pelé auf Seite A sein Unvermögen zu singen ironisiert, was kein Hindernis für einen Erfolg darstellt, ist "Perdão, Não Tem" ein ernsthafter Text über eine Liebe, die am Kipppunkt steht. Wenn die Besungene gehen sollte und die langjährige Beziehung beendet, dann ist es für immer vorbei. In flehendem Ton bittet der Erzähler seine Geliebte zu bleiben und nicht alles aufs Spiel zu setzen: "Não vá, meu bem, porque depois, perdão não tem" ("Geh nicht, mein Schatz, weil später gibt es kein Zurück"). Zwischendrin fragt Elis dann wieder in einem gesprochenen Dialogpart im Song, wann Pelé auf den Song kam. Seine Antwort ist, dass er meint, dass es ihm bei einer der letzten Auswärtsreisen mit Santos FC nach Europa eingefallen ist - woraufhin Elis frech, aber sympathisch reagiert und das "wann" ihrer Frage vom Zeitpunkt weglenkt zum Anlass und quasi feststellt, dass er es doch bestimmt mit "dor de cotovelo" geschrieben hat, also mit einem "Schmerz im Ellbogen", was in Brasilien für einen Eifersuchtsschmerz steht. Pelé lässt diese Klarstellung dann einfach stehen und der Song geht weiter.
Neben diesen beiden Liedern hat Pelé sich immer wieder mit Musik beschäftigt. Er arbeitete musikalisch mit brasilianischen Größen wie Roberto Carlos (beide tragen den Namenszusatz "Rei", also "König"), Jair Rodrigues oder Sérgio Mendes. Und unter seinem Namen Edson Arantes do Nascimento sind im Ecad, dem brasilianischen Zentralmusikregister, immerhin 30 Lieder registriert. Diese wurden von Wilson Simonal, Moacyr Franco und Jair Rodrigues aufgenommen. Pelé beließ es nicht bei einer kuriosen und einmaligen Gesangseinlage. Er war wirklich musikaffin und -interessiert und ging dieser Leidenschaft strukturiert nach. Das werden wir auch dann, wenn es die nächsten Wochen, gefühlt Monate, wieder heißt: "Fußball. Fußball. Fußball." (Horst Köhler)
(Bild: Unknown - Distributed by the Associated Press, Public domain, via Wikimedia Commons)