Backstage Brazil: Ein Blog über brasilianische Musik

Der König singt: Pelés Doppelpass mit Elis Regina
Wer tut es jetzt nicht? Tankstellen, Baumärkte, Kaufhäuser, Fastfoodketten und die Politik. Pünktlich zur anstehenden WM springen auch wir in unserem Blog über brasilianische Musik auf den Fußballzug auf. Heute geht es um den größten brasilianischen Fußballer aller Zeiten, der eine musikalische Ader hatte. Pelé zeigte sie in Liedern, die er selbst komponierte und auf Schallplatte presste. Es kam sogar zum Doppelpass mit Elis Regina, der energischen und kraftvollen Spielmacherin der MPB.

Ein Hit ist mehr als die Summe von Kalendersprüchen: "Tocando em Frente"
"Tocando em Frente" ist ein Klassiker der Música Sertaneja. 1990 schufen Almir Sater und Renato Teixeira den Song gemeinsam. Sater lieferte die Melodie, als er bei Teixeira zum Abendessen war - und zwar auf der Kindergitarre des Sohnes, bei der auch noch eine Saite fehlte. Teixeira lieferte den Text - und zwar auf Basis verschiedener Kalenderspruchweisheiten, die er passend zur verträumten Melodie aneinanderreihte. Maria Bethânia sang den Song für eine Telenovela ein. So entstand ein Hit.

Eine ungewöhnlich-außergewöhnliche Kraft: Die "Força Estranha" von Gal Costa
Gal Costa war eine zentrale Figur in der avantgardistischen Kunst- und Musikbewegung des Tropicalismo der späten sechziger Jahre. Sie wurde aber darüber hinaus eine zentrale Figur der brasilianischen Musik im Allgemeinen und prägte diese über Jahrzehnte mit. Ihr Mitstreiter Caetano Veloso hat ihr mehrere Lieder komponiert. In "Força Estranha" würdigt er die Authentizität von Gal Costas künstlerischem Schaffen. Und wer hätte den Song besser singen können als sie selbst?

A Moça e a Rede: Ein Lied für meine Mutter und zur Kultur der Hängematte im Nordosten Brasiliens
Es gibt Dinge, die Geschichten und Erinnerungen tragen. Und Körper oder eine ganze Landschaft. Die Hängematte wird im Nordosten Brasiliens schlicht "rede" (wörtlich übersetzt "Netz") genannt. Sie ist ein alltägliches Artefakt und zugleich ein kulturelles Symbol. Wenn ihr nach Ceará fahrt, dann werdet ihr irgendwo zwischen zwei Wänden im Zimmer eurer Unterkunft zwei Haken bemerken. Wenn dem so ist, dann öffnet mal den Schrank. Da liegt bestimmt eine Hängematte. Spannt sie auf und entspannt!

Von der Straßenecke in die Milchstraße der brasilianischen Musik: Lô Borges
Der Ausgangspunkt war unscheinbar: eine Straßenecke im Viertel Santa Tereza in Belo Horizonte, geprägt vom Schachbrettmuster der Stadt und der besonderen Melancholie des Bundesstaats Minas Gerais. Genau dort traf sich Mitte der 1960er‑Jahre ein junger Musiker namens Salomão Borges Filho, genannt Lô, mit Freunden, um über die Beatles, Jazz und deren Einfluss auf die Música Popular Brasileira zu diskutieren. Aus Gesprächen, Gitarren und Ideen entstand der "Clube da Esquina" ("Club an der Ecke").

Die Geheimnisse des Lebens mit Joyce Moreno und Milton Nascimento
Das Lied "Mistérios" begegnete mir zuerst in der Stimme Milton Nascimentos. Ursprünglich stammt es aber von Joyce Moreno. Das Lied bringt uns näher, worauf es in unserem kurzen Leben ankommen könnte: Die Aufmerksamkeit für das Wesentliche und die Bereitschaft, darüber mit unseren Mitmenschen ins Gespräch zu kommen. Das Lied öffnet Türen unseres Ichs und klopft an beim Du. Heute geht es um Joyce Moreno und Milton Nascimento, die uns sanft und einprägsam zum Nachdenken über das Leben anregen.

Jura: Ein Samba aus Eifersucht unsterblich durch eine Telenovela
"Jura" gehört zu den Liedern, die man in Brasilien kennt, weil es seit beinahe 100 Jahren einfach immer weiter klingt. Der Samba, der 1928 aus einem Moment verletzter Gefühle geboren wurde und über ein Jahrhundert hinweg immer wieder neu aufblühte, stammt vom Komponisten Sinhô. Zuletzt wurde er als ikonisches Thema der Telenovela "O Cravo e a Rosa" reanimiert mit dem Sambastar Zeca Pagodinho. Ich habe das Lied auch aufgenommen: Ich liebe, dass aus einer Wunde etwas Schönes entstand, das dauert.

O Fantasma da Solidão: Zweisamkeit mit dem Gespenst der Einsamkeit
"O Fantasma da Solidão" ist eines der Lieder meines Albums "Passos", das ich oft live spiele. Heute schaue ich mit euch hinter die Kulissen seiner Entstehung. Mit zwei Musikern, die für die Musikszene von Ceará prägend sind, durfte ich das Lied in Fortaleza aufnehmen: Carlinhos Crisóstomo, der das Album "Passos" arrangierte und viele Instrumente einspielte, und Pianist Tito Freitas, der mit seinem Spiel Akzente setzte - wie er es auch schon für Tim Maia, Alcione oder Emílio Santiago getan hat.

Mônica Salmaso: Balsam für die Ohren
Mônica Salmaso wurde 1971 in São Paulo geboren. Sie begann ihre künstlerische Laufbahn 1989 am Theater beim Regisseur Gabriel Villela. Ihr erstes großes musikalisches Projekt war Afro-Sambas (1995), das die Werke von Baden Powell und Vinícius de Moraes neu interpretierte. Bereits früh wurde sie für den Prêmio Sharp nominiert, 1999 gewann sie den renommierten Prêmio Visa MPB. Sie ist außerhalb von Brasilien immer noch ein Geheimtipp. Aber ihr lernt sie jetzt kennen.

Raul Seixas und Paulo Coelho
Raul Seixas gilt in Brasilien als Legende. Sein Name wird noch heute auf Konzerten gerufen: "Toque Raul!", "Spiel Raul!" beschwört ihn als unantastbaren Maßstab. Der Autor Paulo Coelho arbeitete in den Siebzigern eng mit Raul Seixas zusammen - lange bevor er ein von der Kritik als esoterischer Kitschautor belächelter, aber globaler Bestsellerautor wurde. Beide waren Außenseiter und ihre Biografien turbulent. Hits wie "Sociedade Alternativa", "Gita" oder "Tente Outra Vez" spiegeln diese.

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