João Gilberto definierte Bossa Nova durch das Merkmal radikaler Zurückhaltung: flüsternder Gesang und minimale Gesten. Bossa Nova zu singen ist so anspruchsvoll, weil er auf den Punkt ohne Effekte gesungen werden muss. Sobald Ablenkungsmanöver wie z.B. ein schmetterndes Vibrato die geforderte Präzision kaschieren, gerät man auf Abwege. Vielleicht ist es dann nicht mal mehr ein Bossa Nova. Als Sängerin verlangt Bossa Mut: Denn Fehler sind auf seinem schmalen Grat viel hörbarer als sonst.
Der Song "Chega de Saudade" von 1958 gilt als der erste auf Platte gepresste Bossa Nova überhaupt. Komponiert wurde er von Tom Jobim, der Text stammt von dessen kongenialem Partner Vinícius de Moraes. Auf der ersten Aufnahme, auf der Elizeth Cardoso die Gesangsstimme liefert, spielt der neben Jobim und de Moraes dritte große Mann des Bossa Nova, João Gilberto, in dem unverwechselbaren Stil Gitarre, in dem er das Genre des Bossa Nova für immer definiert.