Gal Costa war eine zentrale Figur in der avantgardistischen Kunst- und Musikbewegung des Tropicalismo der späten sechziger Jahre. Sie wurde aber darüber hinaus eine zentrale Figur der brasilianischen Musik im Allgemeinen und prägte diese über Jahrzehnte mit. Ihr Mitstreiter Caetano Veloso hat ihr mehrere Lieder komponiert. In "Força Estranha" würdigt er die Authentizität von Gal Costas künstlerischem Schaffen. Und wer hätte den Song besser singen können als sie selbst?
Der Ausgangspunkt war unscheinbar: eine Straßenecke im Viertel Santa Tereza in Belo Horizonte, geprägt vom Schachbrettmuster der Stadt und der besonderen Melancholie des Bundesstaats Minas Gerais. Genau dort traf sich Mitte der 1960er‑Jahre ein junger Musiker namens Salomão Borges Filho, genannt Lô, mit Freunden, um über die Beatles, Jazz und deren Einfluss auf die Música Popular Brasileira zu diskutieren. Aus Gesprächen, Gitarren und Ideen entstand der "Clube da Esquina" ("Club an der Ecke").
Das Lied "Mistérios" begegnete mir zuerst in der Stimme Milton Nascimentos. Ursprünglich stammt es aber von Joyce Moreno. Das Lied bringt uns näher, worauf es in unserem kurzen Leben ankommen könnte: Die Aufmerksamkeit für das Wesentliche und die Bereitschaft, darüber mit unseren Mitmenschen ins Gespräch zu kommen. Das Lied öffnet Türen unseres Ichs und klopft an beim Du. Heute geht es um Joyce Moreno und Milton Nascimento, die uns sanft und einprägsam zum Nachdenken über das Leben anregen.
Chico Buarque lebte schon als Junge zwei Jahre in Rom. Sein Vater, der brasilianische Historiker Sérgio Buarque de Holanda, war dort zwei Jahre Geschichtsprofessor. Während seiner Zeit dort lernte er Italienisch. Er behielt sein Interesse für die italienische Kultur und griff in den siebziger Jahren Lucio Dallas Komposition "Gesù Bambino" auf. Er adaptierte sie als "Minha História" für Brasilien. Es ist ein wunderbares Weihnachtslied: eine Geburt, eine Mutter, ein Kind und ein mysteriöser Vater.
Gerade bereite ich einen Vortrag über kollektive Intentionalität vor, den ich an der PUC in São Paulo halten darf. Dabei kam mir das Thema Fußball öfter in den Kopf, weil sich an einem Teamsport kollektive Absichten illustrieren lassen. In Gilberto Gils "Meio Campo" geht es auch um Fußball. Das Lied ist ein Brief an Afonsinho, einen Spieler, der zum Symbol für Widerstand, Individualität und Freiheit im brasilianischen Sport wurde, und der Mediziner, Intellektueller und politischer Aktivist ist.
Angela Ro Ro ist eine der markantesten Stimmen und Persönlichkeiten der brasilianischen Musik. Mit ihren Kompositionen, die Blues, Bolero, Samba und Rock mischten, prägte sie das MPB-Genre. Sie brach gesellschaftliche Tabus, war eine der ersten offen lesbischen Künstlerinnen Brasiliens. Liebeskummer, Exzesse und Selbstfindung spiegeln sich in ihren Liedern, die zu den schönsten der MPB zählen. Ich wollte schon länger über Angela Ro Ro schreiben. Nun ist sie leider mit nur 75 Jahren gestorben.
Wir haben die wunderbare Freundschaft der beiden bedeutendsten Musikerinnen für brasilianische Musikerinnen (und Musiker!) in der männerdominierten brasilianischen Musik, Rita Lee und Elis Regina, kennengelernt. Heute rücken wir Rita Lee ins Zentrum, die zwar eine "Königin des Rock" war, aber sich eher als "Schutzpatronin der Freiheit" verstand. Mit dieser authentischen Haltung wurde sie Ikone für alle, die sich trauen, anders zu sein. Im Hit "Ovelha Negra" (Schwarzes Schaf) geht es darum.
Elis Regina war eine der bedeutendsten Sängerinnen Brasiliens und ist eine Ikone der Música Popular Brasileira. Ihre Karriere setzte sowohl stimmlich als auch den Auftritt betreffend Maßstäbe. Ihre charismatische Ausstrahlung, expressiven Gesten und tiefgehenden Performances bleiben bis heute unerreicht. Mit ihrer energiegeladenen Art hob sie sich vom coolen Bossa Nova ab - an den sie sich wagte: Aus dem Duell mit dessen Erfinder Tom Jobim wurde das bekannteste Duett der brasilianischen Musik.
Toquinho schrieb 1974 mit Vinícius de Moraes ein Thema für eine Figur der brasilianischen Telenovela "Fogo Sobre Terra" (1974). Diese Figur träumte davon, reich zu werden und in die Großstadt zu ziehen. Neun Jahre später wird dieses Lied mit dem Titel "Uma Rosa Em Minha Mão" zum ersten Teil des Welthits "Aquarela" (1983), mit dem Toquinho zu internationaler Berühmtheit gelangt. Die Geschichte eines Lebens ist wie ein Aquarell, das wir malen, bunt, voller Bewegung - und am Ende verblasst es doch.